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Daniele Gatti dirigiert Beethoven: Neun Sinfonien in vier Tagen

Zum 200. Todestag Ludwig van Beethovens stellt die Sächsische Staatskapelle Dresden dessen neun Sinfonien in den Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Konzertprojekts. Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Daniele Gatti erklingt der gesamte Zyklus im April 2027 gleich zweimal innerhalb von jeweils vier Tagen. Die vier Konzertabende führen vom sinfonischen Aufbruch der frühen Werke über die heroischen Konflikte der mittleren Schaffensphase bis zu jener Neunten, in der Beethoven mit Schillers „Ode an die Freude“ die menschliche Gemeinschaft ins Zentrum rückt.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Daniele Gatti© Marco Borggreve
Daniele Gatti

Mainz/Dresden - Neun Sinfonien, vier Abende, zwei Durchläufe: Im April 2027 widmet die Sächsische Staatskapelle Dresden Ludwig van Beethoven ein großes Konzertprojekt zum 200. Todestag des Komponisten. Unter dem Titel „Beethoven. Vier Tage. Neun Sinfonien“ dirigiert Daniele Gatti sämtliche Sinfonien innerhalb von vier Tagen – vom 14. bis 17. April und erneut vom 28. April bis 1. Mai in der Semperoper. Vier Auftragswerke zeitgenössischer Komponisten ergänzen das Programm und stellen Beethovens Musik in einen Dialog mit der Gegenwart.

Beethoven starb am 26. März 1827 in Wien. Seine neun Sinfonien markieren eine Entwicklung, die das Genre nachhaltig veränderte: Er weitete seine dramatischen Dimensionen aus, verschärfte Kontraste und sprengte überlieferte Formgrenzen. Die Dresdner Konzertreihe zeichnet diesen Weg nach – von den spielerischen Experimenten der frühen Werke bis zur Neunten, in der Solisten und Chor hinzutreten.

Der erste Abend, „Aufbruch“, vereint die Erste, Vierte und Fünfte Sinfonie. Schon die Erste überrascht mit ihrem harmonisch ungewöhnlichen Beginn. Die Vierte zeigt eine bewegliche, lichte Seite des Komponisten, während die Fünfte ihre Energie aus einem knappen, prägnanten Motiv entwickelt, das den gesamten Verlauf prägt.

„Von Helden und Antihelden“ stellt am zweiten Abend die Zweite und die Dritte Sinfonie gegenüber. Mit der „Eroica“ erweiterte Beethoven die Dimensionen der Gattung: Die Länge, die dramatische Wucht des Kopfsatzes und der Trauermarsch verschoben ihre musikalischen Maßstäbe. Ursprünglich Napoleon gewidmet, zog Beethoven die Widmung zurück, nachdem dieser sich zum Kaiser gekrönt hatte. Der heroische Impuls der Musik bleibt bestehen, erschöpft sich aber nicht in einer einfachen Siegesgeschichte.

Am dritten Abend verbindet „Naturgesänge“ die Sechste und die Siebte Sinfonie. In der „Pastorale“ gestaltet Beethoven Eindrücke des Landlebens musikalisch – vom Aufenthalt am Bach bis zum Gewitter und dem anschließenden Dank. Die Siebte entfaltet dagegen aus rhythmischer Bewegung eine beinahe körperliche Energie. Ihr zweiter Satz baut mit wenigen musikalischen Elementen einen eindringlichen Spannungsbogen zwischen Trauer und innerer Sammlung auf.

Der Abschluss „An die Freude“ führt von der Achten zur Neunten Sinfonie. Die Achte besticht durch formale Knappheit, rhythmische Schärfe und überraschenden Witz. In der Neunten überschreitet Beethoven die Grenzen der rein instrumentalen Sinfonie: Im Finale treten Solisten und Chor hinzu und singen Friedrich Schillers Ode an die Freude. Die Musik entwirft eine Vision von Freiheit und Gemeinschaft, deren utopischer Anspruch sich nicht von den Konflikten und Brüchen der vorangegangenen Sätze lösen lässt.

Gatti, seit der Spielzeit 2024/25 Chefdirigent der Staatskapelle Dresden, übernimmt die musikalische Leitung des gesamten Projekts. Für die Neunte sind die Sopranistin Sara Blanch, die Altistin Christa Mayer, der Tenor Bernard Richter, der Bass Georg Zeppenfeld und der Sächsische Staatsopernchor Dresden angekündigt.

Ein wesentliches Element der Reihe sind vier Uraufführungen von Auftragswerken: Kompositionen von Jörg Widmann, Riccardo Panfili, Jesús Torres und Clara Iannotta treten jeweils in Beziehung zu Beethovens Sinfonien. Das Jubiläum versteht sich damit nicht nur als Rückblick auf ein kanonisches Werk, sondern auch als Einladung, dessen musikalische Ideen aus heutiger Perspektive weiterzudenken. Ergänzt wird das Programm durch weitere Veranstaltungen, darunter ein Symposium mit Daniele Gatti und Jörg Widmann sowie zusätzliche Konzerte.

Die doppelte Aufführung des Zyklus eröffnet die Möglichkeit, Beethovens sinfonische Entwicklung in konzentrierter Folge zu erleben. Von den frühen Experimenten bis zur Verbindung von Orchester, Solostimmen und Chor wird dabei nicht allein eine Reihe berühmter Werke präsentiert, sondern ein musikalischer Weg durch Widerstand, Bewegung und Hoffnung.

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